Der Freistaat Bayern möchte 2040 klimaneutral werden. Das bedeutet, es darf fast kein Öl oder Gas verbrannt werden. Angesichts dessen, dass Heizungen und Autos eine Lebensdauer von 20 Jahren und mehr haben, eine gigantische Aufgabe und man muss sofort anfangen. Es gibt nur zwei Wege, die Menschen von der Droge der fossilen Energien wegzubringen, entweder über den Preis oder mit Verboten und Geboten. Es ist vielen Menschen noch nicht klar, das mit der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas durch die Erderhitzung das Überleben der Menschheit auf dem Spiel steht.
Der Landkreis Straubing-Bogen hat 1,2 Promille der Einwohner Deutschland. Da es aber im Landkreis keine Energieintensive Großindustrie gibt, verbraucht der Landkreis 0,88 Promille der Energie von Deutschland, das sind 2.900 GWh. Der Landkreis hat mit 70.000 (1,5 Promille) überdurchschnittlich viele Autos. Hauptenergieverbraucher ist die Wärme mit 1.500 GWh, dann kommen die Mobilität mit 900 GWh und der Stromverbrauch mit 500 GWh. Diese Gesamtenergie wird derzeit zu gut 70 % mit nicht erneuerbarer Energie erzeugt. Deshalb ist die Frage interessant, ob der Landkreis in den nächsten 10 Jahren in einem ersten Schritt seine Energie bilanziell selber erzeugen kann.
Energie muss gespart werden
In den nächsten 10 Jahren könnte der Primär-Energieverbrauch um 28 %, auf 2.100 GWh gesenkt werden. Ein Elektroauto verbraucht nur 30 % der Primärenergie beim Fahren, als ein Verbrennerauto. Nach Berechnungen des ADAC ist der gefahrene km von einem Elektroauto mittlerweile günstiger als mit Benzin und Diesel. Eine Wärmepumpe verbraucht ebenfalls nur 30 % der Primärenergie als eine Heizung mit Öl oder Gas. Wenn ab sofort keine neuen Öl- und Gasheizungen mehr eingebaut werden und jedes neue Auto ein Elektroauto wäre, könnte man einen Teil dieser Einsparung der Primärenergie schaffen und es wäre billiger für die Verbraucher. Schwieriger wird es bei der Wärme mit den Altbauten. 60 % der Wohngebäude sind älter als 40 Jahre und die meisten werden mit Öl beheizt. Jedes Jahr müssten somit ca. 500 Gebäude energetisch saniert und die Heizung auf Biomasse oder Wärmepumpen umgestellt werden. Das kostet den Eigentümer des Gebäudes Geld und hier schafft der Staat bereits Anreize. Aber langfristig wird sich das rechnen, weil einfach fossile Energie teurer wird. Der Staat verbietet bereits den Einbau von Ölheizungen ab 2025. Wenn dann noch die allgemein, bekannten Vorschläge zur Energieeinsparung (weniger Autokilometer, ÖPNV, Energiesparende Geräte etc.) dazukommen, kann man die Einsparung von 28 % Primärenergie schaffen.
100 % Erneuerbare Energie
Die derzeitig erneuerbare Energie, die im Landkreis erzeugt wird, kommt von der Sonne, kleiner Anteil an Wind, Wasserkraft und Biomasse (Strom und Wärme).

Wasserkraft ist nicht ausbaufähig. Die Anzahl der Biogasanlagen wird sich in den nächsten Jahren verringern. Ausbaufähig ist vor allem die Biomasse für die Wärme (Holzpellets, Hackschnitzel, Nahwärmesysteme etc.) und der Solarstrom. Im ersten Halbjahr 1021 sind im Landkreis 20 MW Photovoltaikanlagen dazu gebaut worden. Deshalb gibt es derzeit 350 MW PV Anlagen auf den Dächern und 170 MW Freiland. Würden jedes Jahr 40 MW PV Dachanlagen plus den Ersatz der alten Anlagen dazu gebaut werden, hätten wir in 10 Jahren 750 MW PV Dachanlagen. Von den Bayernwerken sind derzeit ca. 400 MW an Einspeisezusagen für Freiflächenanlagen ausgegeben worden, die in jedem Fall die nächsten 10 Jahren gebaut werden. Also ist es möglich, dass 700 MW PV Freiflächenanlagen, das sind 750 ha, gebaut werden. Unser Landkreis würde 10 Windkraftanlagen vertragen, mit der Ausweitung der Biomasse in der Wärmeversorgung könnten somit 2.100 GWh Energie erzeugt werden.

Keine Flächenkonkurrenz zu Nahrungsmittel
Unser Landkreis hat 74.000 ha landw. Nutzfläche, davon sind mit nachwachsende Rohstoffen ca. 7.000 ha bebaut. Durch den gesetzlich festgelegten Rückgang des Silomais für Biogasanlagen werden in den nächsten Jahren ca. 3.000 ha frei, somit könnte sich die Fläche für die Nahrungsmittelproduktion um ca. 2.000 ha erhöhen. Ein Hektar (ha) Photovoltaikanlage erzeugt so viel Strom (ohne Wärme) wie 70 ha Silomais für eine Biogasanlage.
Schwierigster Teil kommt anschließend
Man kann zwar in 10 Jahren so viel Energie erzeugen wie insgesamt in den Bereichen Strom, Wärme Mobilität gebraucht wird, also bilanziell klimaneutral sein. Aber es fahren dann immer noch Autos, LKW’s etc. mit Benzin oder Diesel und die meisten Gebäude werden immer noch mit Öl oder Gas beheizt. Das bedeutet dann als zweiten, wichtigen Schritt, in den Jahren bis 2040 auch davon wegzukommen und die Energie zur gleichen Zeit bereitzustellen in dem sie gebraucht wird. Des Weiteren muss der Landkreis auch einen großen Teil der Energie für die Stadt bereitstellen, denn die Städte haben nicht die Möglichkeiten als das Land. Dafür gibt es auch schon die Lösungen, man braucht mehr Stromnetze, massiven Ausbau von Energiespeichern, Wasserstoffeinsatz für LKW’s etc. Wenn uns das alles gelingt, wird aber 2040 doch noch ein kleiner Teil von ca. 5 % fossiler Energie übrigbleiben. Den Kohlendioxid (CO2) den dieser Teil produziert muss dann aus der Atmosphäre teuer entnommen und langfristig gespeichert werden.
Die Energiewende ist aber nur ein Teil hin zu einer nachhaltigen Lebensweise für die Menschen.
