
Der Zubau von Photovoltaikanlagen im Landkreis Straubing-Bogen legte kräftig zu. Im 1. Halbjahr 2023 wurden mit 1002 Photovoltaikanlagen in etwa genauso viel zugebaut wie im gesamten Vorjahr. Die installierte Leistung betrug 35,76 MW. Die gesamte, kumulierte Leistung aller PV-Anlagen im Landkreis beträgt Ende Juni 2023 über 600 MW. Es wurde auch eine Biomasseanlageanlage mit 30 kW erweitert. Bei Wind- und Wasserkraft gab es keine Änderung im 1. Halbjahr 2023. Wenn der Landkreis in den Bereichen Strom, Wärme und Verkehr, klimaneutral werden will, müsse sich die Leistung der Photovoltaikanlagen auf 1.400 MW erhöhen und die Anzahl der Windanlagen von jetzt 3 Anlagen auf 25 Anlagen erhöhen. Der Landkreis könnte bereits 2030 bilanziell klimaneutral werden.
Solarstrom ist billig
Strom aus großen Solar-Freiflächenanlagen ist mittlerweile mit unter 6 Cent/kWh Erzeugungskosten die günstigste Stromerzeugungsquelle. Durch den Zubau von neuen Solar- und Windanlagen verbilligt sich der Strompreis für die Verbraucher. Durch die Nutzung des Solarstroms im eigenen Haus (Eigenverbrauch) kann der Betreiber sich eine Preisstabilität auf 30 Jahre sichern.
Mehr kleinere Anlagen
Die meisten Anlagen wurden in dem Segment bis 10 kWp installiert. Hier wurden 444 Anlagen mit einer Nennleistung von 3.764 kWp auf die Dächer gebaut. Durch die Änderung der politischen Rahmenbedingungen haben sich die Anlagen im Segment 10 bis 30 kWp stark erhöht. Hier wurden 374 Anlagen mit 6.108 kWp in Betrieb genommen. Dieser Bereich wird jetzt wohl noch stärker zunehmen, weil es wirtschaftlich keinen Sinn macht, die Anlage auf 10 kWp zu begrenzen. Im Segment bis 30 bis 100 kWp wurden nur 16 Anlagen mit 1.147 kWp montiert. In diesem Bereich liegt noch viel Potenzial. Dachanlagen mit über 100 kWp wurden nur 3 Anlagen hinzugebaut. Das liegt wohl darin, dass Anlagen über 100 kWp den Strom über einen Direktvermarkter vermarkten müssen und Anlagen über 135 kWp ein kompliziertes Anlagenzertifikat mit Konformitätserklärung benötigen. Es ist aber geplant, diese Grenze deutlich zu erhöhen. Im Landkreis wurden die meisten Anlagen in der Stadt Bogen mit 112 Anlagen installiert, gefolgt von Aiterhofen 52, dicht gefolgt von Geiselhöring mit 47 Anlagen. Schlusslicht sind die Gemeinden Loitzendorf und Perasdorf mit je 2 Anlagen.
In den Zahlen sind auch 162 angemeldete, sogenannte Balkonkraftwerke. Darunter versteht man zwei Solarmodule mit einem Mini-Wechselrichter von 600 Watt, den man einfach an eine Schuko-Steckdose anschließen kann. Man kann aber davon ausgehen, dass die meisten dieser Anlagen nicht angemeldet wurden. Balkonkraftwerke wurden jahrelang durch die Politik mehr verhindert als unterstützt. Jetzt endlich macht die neue Regierung klare und sehr einfache Anwendungsregeln.
Durch das sogenannte Osterpaket von Habeck und das neue EEG 2023 sowie das Sommerpaket 2023 haben sich die Bedingungen für Photovoltaikanlagen wesentlich verbessert. Die Vergütungssätze für den eingespeisten Solarstrom wurden erhöht und durch den gestiegenen Strompreis lohnt sich ein Eigenverbrauch noch mehr. Gleichzeitig gibt es ab 2023 deutliche Vereinfachungen und Bürokratieabbau in Bezug auf die Steuer. Bei der Anschaffung einer Photovoltaikanlage bis 30 kWp wurde für die Mehrwertsteuer der 0 %Steuersatz eingeführt. Somit entfällt eine Umsatzsteueranmeldung. Ebenso brauchen die Einkünfte bei der Einkommensteuer nicht mehr angegeben werden.
Mit 515 Stromspeichern mit einer Gesamtkapazität von 3,8 MWh wurde bereits mehr Speicherkapazität installiert als im gesamten Vorjahr. Die durchschnittliche Speichergröße betrug 7,5 kWh (Vorjahr 6,25 kWh). Der größte Speicher hatte eine Kapazität von 27 kWh.
Wie sind die Aussichten
Für das Kalenderjahr 2023 rechne ich mit einer Zu Bauleistung von über 110 MW. Damit kommt man fast auf den Zubau des Rekordjahres 2009 mit 138 MW. Die Vorgaben der Bundesregierung, den Zubau an Photovoltaikanlagen zu verdreifachen, kommt man mit dem jetzigen Zubau schon sehr nahe. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen sind sehr gut. Probleme bereitet weiterhin der fehlende Netzausbau. Bei den Solarmodulen ist zurzeit eine Entspannung zu spüren. Die Solarmodule werden wieder billiger.
Der Gesamtzubau wird dann Ende dieses Jahres im Landkreis bei ca. 675 MW liegen. Damit kann der jetzige Strombedarf des Landkreises bilanziell zu 130 % abgedeckt werden. In unserem Landkreis wird der Strombedarf durch die Umstellung der Wärmeerzeugung, weg von Öl und Gas auf elektrische Wärmepumpen und Biomasse, sowie die Elektrifizierung des Verkehrs um das 2,5 bis 3-fache zunehmen. Außerdem muss das Land die Städte mit Energie versorgen. Bayern möchte bis 2040 klimaneutral werden, das bedeutet, aber 2040 darf fast kein für Öl (Heizöl, Benzin, Diesel) und fossiles Gas verbrannt werden.
Der Juni 2023 war bisher der solarreichste Monat. Deutschlandweit betrug der solare Stromanteil am Nettostromverbrauch 25 %. Im 1. Halbjahr 2023 lag der Anteil der erneuerbaren Energien bei 57 % vom Nettostromverbrauch, ein neuer Rekord. In Europa, wie auch bei uns ist der Stromverbrauch 2023 gegenüber den Vorjahren um fast 10 % zurückgegangen. Da der Zubau, gerade von Photovoltaikanlagen Fahrt aufgenommen hat, kommt es an der Strombörse immer öfter zu negativen Strompreisen. In diesen Zeiten bekommen Betreiber von größeren Photovoltaikanlagen und auch Windkraftanlagen keine Einspeisevergütung. Diese Zeiten werden stark zunehmen. Der Strompreis an der Strombörse ist so billig wie seit Mitte 2021 nicht mehr.
