Windenergie in unser Region – was ist möglich

1,8 % der bayerischen Landesfläche, also 128.000 ha, müssen als Windvorrangflächen ausgewiesen werden.

Gastbeitrag von Josef Gold

Windstrom ist zurzeit die wichtigste Stromerzeugungsquelle und Windanlagen erzeugten in den ersten 9 Monaten 2023 mehr Strom als Braun- und Steinkohlekraftwerke zusammen. Um eine günstige, unabhängige und sichere Stromversorgung zu haben, brauchen wir neben Biomasse, Wasserkraft und Geothermie einen zusätzlichen Mix aus zwei Drittel Windstrom und ein Drittel Solarstrom. Mit diesen Mix, sowie den Ausbau der Stromnetze und den europäischen Verbundnetz, werden die wenigsten Speicher benötigt, denn Windanlagen produzieren den meisten Strom im Winter und hier wird der Bedarf durch die E-Mobilität und Wärmepumpen ansteigen. Weil Windstrom der Lastesel der Stromerzeugung ist, hat die Bundesregierung im sogenannten `Wind an Land Gesetz´ festgelegt, dass Bayern 1,8 % der Landesfläche als Windvorrangflächen ausweisen muss. Andere Bundesländer haben eine Vorgabe von 2,2 %. Wie diese 128.000 ha in Bayern verteilt werden, bestimmt die Bay. Staatsregierung. Bayern hat Platz und auch genug Wind für 5.000 Windanlagen.

Der Norden hat mehr Wind

Der Wind in Bayern weht sehr unterschiedlich. Während es in Norden von Bayern, in den Regierungsbezirken Oberfranken, Mittelfranken oder auch der Oberpfalz sehr viele Gebiete mit starken Windaufkommen gibt, sieht es gerade in Niederbayern mau aus. Die Staatsregierung hat die Ausweisung von Windvorrangflächen an die regionalen Planungsverbände übergeben. In unserem Bereich ist der Planungsverband Donau-Wald zuständig. Hier wurden bereits vor 10 Jahren 1,1 % der Fläche als Windvorrang- oder Windeignungsflächen ausgewiesen. Das Problem dabei ist, bei 70 % dieser ausgewiesenen Flächen weht zu wenig Wind, so dass sich ein wirtschaftlicher Betrieb nicht lohnt. Die bisherige Planung der Bay. Staatsregierung in jedem Planungsverband diese 1,8 % Windflächen auszuweisen, führt dazu, dass in unserem Planungsverband wieder im großen Stil, Flächen ausgewiesen werden, wo zu wenig Wind weht. Der Planungsverband hat ermittelt, wenn man von einer Windgeschwindigkeit von 5,0 m/sec. ausgeht und die sonstigen Ausschlusskriterien anwendet, 3,2 % der Flächen für Windvorrangflächen übrigbleiben. Ein wirtschaftlicher Betrieb einer Windanlage ist aber nur ab einer Windgeschwindigkeit von 5,5 m/sec. oder einer Standortgüte von über 65 % nach dem bayerischen Windatlas möglich. Wendet man die wirtschaftlichen Parameter an, verbleibt eine Fläche von unter 1,0 % übrig. Deshalb wäre es wichtig, dass die Bayerische Staatsregierung unterschiedliche Ziele je nach Windhöffigkeit der Gebiete anwendet. Das bedeutet, im Norden von Bayern müssten mehr als die 1,8 % Flächen ausgewiesen werden und in Niederbayern weniger.

Windenergieanlagen werden immer effektiver  

Am 19. Juli 2023 ging in China durch die Firma Goldwind die größte Windanlage auf der Welt in Betrieb. Die Anlage mit 16 Megawatt Leistung und einen Rotordurchmesser von 260 Meter erzeugt jährlich so viel Strom, wie z.B. die privaten Bürger der Stadt Straubing jährlich verbrauchen. In Deutschland werden zurzeit Anlagen mit einer Leistung von 5 bis 6 Megawatt gebaut. Anlagen, die gerade geplant werden, haben bereits eine Leistung von 6 bis 7 Megawatt. 30.000 solcher neuen Anlagen würden so viel Strom erzeugen, wie jetzt in Deutschland verbraucht wird. In Deutschland drehen sich zurzeit 29.000 Anlagen. Dann kommen noch 5.000 Off-schore (Meer) Anlagen dazu, die auch noch 50 % des derzeitigen Strombedarfs abdecken können. Also werden die Windanlagen 2045, wenn Deutschland klimaneutral sein will, zusammen mit den geplanten 400 GW Solaranlagen und mit Biomasse, Wasserkraft in 23 Jahren das 2,5-fache des jetzigen Strombedarfs erzeugen. Dazu müssen dann jährlich 1.300 Windanlagen an Land neu gebaut werden. Zum Vergleich, im Jahr 2002 wurden in einem Jahr 2.328 und im Jahr 2017 1.792 Anlagen neu dazu gebaut. 2023 werden wohl 800 Anlagen neu in Betrieb gehen. Da aber die Zahl der Baugenehmigungen (Ausnahme Bayern) kräftig gestiegen sind, ist der Zubau von 1.300 Anlagen jährlich realistisch. Eine heutige große Windanlage wird in der gleichen Zeit errichtet, als vor 20 Jahren eine kleine Anlage. Das derzeit größte Problem sind die Genehmigungen der Schwertransporte durch die neue, deutsche Autobahn GmbH. Seit der Übertragung der Autobahnen an die neue GmbH herrscht hier Chaos.

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