
In der Grafik sieht man den Suchraumcluster für Windenergie im Labertal
Hier der Zeitungsbericht über den Vortrag am 4. Juli in Mallersdorf-Pfaffenberg
Mallersdorf-Pfaffenberg: Welche Voraussetzungen sind für einen Betrieb von Windkraftanlagen notwendig? Wie ist der Entwicklungsstand von neuen Windenergieanlagen? Was ist im Labertal möglich? Diese Fragen ging der ÖDP Energieexperte Josef Gold im vollbesetzen Versammlungsraum im Stöttners Treff in Pfaffenberg nach.
Die alte Bundesregierung aus SPD/CSU und CDU hat 2021 ab 2045 Klimaneutralität beschlossen, nachdem sie vom Bundesverfassungsgericht dazu aufgefordert wurde, mehr für den Klimaschutz zu tun. Bayern möchte ab 2040 klimaneutral werden. Das bedeutet, es darf weitgehendst kein Benzin, Diesel, Heizöl oder Erdgas mehr verbrannt werden. Um dieses Ziel zu erreichen, braucht man schnellstmöglich die Energiewende.
Windstrom ist dabei für die Energiewende unverzichtbar. Der ideale Strommix wäre neben Biomasse und Wasserkraft, zwei Drittel Windstrom und ein Drittel Solarstrom. Damit ließe sich der Stromverbrauch je Monat am besten abbilden, denn Solar- und Windstrom ergänzen sich gegenseitig ideal. Moderne Windenergieanlagen haben heute eine Nennleistung von über 6 MW, eine Nabenhöhe von 170 Metern und einen Flügeldurchmesser von über 160 Metern. So eine Windenergieanlage erzeugt Strom für den Betrieb von bis zu 8.000 E-Autos oder bis zu 5.000 Haushalte. Windstrom ist zurzeit mit einem Anteil von 31 % die wichtigste Stromerzeugung in Deutschland.
Bezogen auf die Landesfläche liegt Bayern bei der installierten Windleistung vor Berlin an letzter Stelle. Das neue „Wind an Land“ Gesetz besagt nun, dass Bayern 1,8 % seiner Landesfläche für die Windenergienutzung ausweisen muss. Das bedeutet, Bayern braucht 4.000 Windenergieanlagen. Das betrifft auch unserem Landkreis Straubing-Bogen. Gold erläuterte die Sachlage bei den Konfliktpunkten wie Vogelschlag, Schall oder Schatten. Auch die Veränderung des Landschaftsbilds ist ein Thema, denn Windanlagen müssen auf den Hügeln errichtet werden und sind wegen Ihrer Höhe von weitem sichtbar.
Nachdem die bayerische Staatsregierung jahrelang gegen Windenergie und Stromtrassen gewettert hat, kommt jetzt Hektik in die Diskussion. Der Freie Wähler Chef Aiwanger hat bei den Staatsforsten ein Mitspracherecht der Kommunen aufgehoben. Der bayerische Ministerpräsident Söder, möchte noch einen Schritt weitergehen und Bürgerentscheidungen bei Windanlagen abschaffen. Dagegen will die ÖDP vorgehen, denn die Energiewende muss man mit den Bürgern machen und sie überzeugen, so Josef Gold.
Labertal ein Windeldorado?
So lautete eine Schlagzeile vor kurzem im Straubinger-Tagblatt. Diese Schlagzeile, so Gold, erweckt einen völlig, falschen Eindruck. Windanlagen sind nur an wenigen Standorten im Labertal wirtschaftlich zu betreiben. In den Kommunen, Geiselhöring, Laberweinting und Mallersdorf-Pfaffenberg gibt es maximal 20 bis 25 solcher Standorte, die Gold vorstellte. Die Kommunen müssen jetzt gemeinsam mit dem regionalen Planungsverband solche Windvorrangflächen festlegen. Der regionale Planungsverband ist hier in einer Zwickmühle, denn nach den Vorgaben der bay. Staatsregierung muss jeder Planungsverband 1,8 % seiner Fläche ausweisen, egal, ob genug geeignete Flächen für einen wirtschaftlichen Betrieb vorhanden sind. Das ist ein großer Fehler der bay. Staatsregierung. Im Labertal sind gerade in der Gemeinde Laberweinting mehrere Flächen rund um die Ortschaften Franken und Neuhofen für einen wirtschaftlichen Betrieb geeignet. Da man hier eine Umzingelung fürchtet, hat sich hier eine Bürgerinitiative gebildet, die sich sehr sachlich in die umfangreiche Diskussion einmischte und Vorschläge für Standorte auch machte. Nach der TA-Lärm kann man Windanlagen bis zu 600 m an Wohnsiedlungen bauen. Gold schlägt in dem Fall des Labertals einen Abstand von 1.000 m vor.
Je höher, desto besser
Windanlagen müssen auf Hügeln gebaut werden, am bestem mit einer Meereshöhe über 450 m/NN. Diese Standorte liegen fast ausnahmslos in Waldgebieten. Je Windanlage werden hier 0,5 bis 1 ha Fläche benötigt. Der Flächenverbrauch für eine bestimmte Menge an erzeugten Strom ist bei PV-Freiflächenanlagen bei uns 10-mal größer und bei Silomais für Biogasanlagen (ohne Wärme) 500-mal größer.
Ein wichtiges Kriterium ist auch ein wirtschaftlicher Einspeisepunkt, denn bei mehreren Windenergieanlagen ist, der Einspeisepunkt in der 110 kV Hochspannungsleitung über ein Umspannwerk notwendig. Da man die letzten 10 Jahre den Netzausbau verschlafen hat, muss dies nachgeholt werden. Der Übertragungsnetzbetreiber Tennet wie auch die Bayernwerke fangen jetzt an unsere Stromtrassen massiv auszubauen, denn der Stromverbrauch wird sich mehr als verdoppeln. Weil Stromnetze nicht voll zur Verfügung stehen, kommt es jetzt zu massiven Abschaltungen von Erzeugungsanlagen, . Schuld an den derzeitigen Abschaltungen ist der verschlafende Ausbau der Stromnetze.
Zum Schluss ging Gold auf die Vorteile ein, die sich für die Kommunen bei einem Ausbau von Wind und Solarprojekten bietet. Auch die Bürgerbeteiligungen wurden angesprochen, denn sie sind für eine Akzeptanz enorm wichtig. Zum Schluss hatte man das Gefühl, dass die Bürger sehr aufgeschlossen gegenüber Windenergieanlagen sind.