Frankreichs AKW-Flotte halbiert sich

Wie steht es derzeit um die Atomkraft in Frankreich? In den Medien liest man Schlagzeilen wie: „Frankreich baut sechs neue AKW“ oder „Frankreich setzt auf SMR-Reaktoren (Small Modular Reactors)“. Doch wie ist der tatsächliche Stand?

Der Bau von neuen SMR-Reaktoren, wie unsere CSU möchte, wurde inzwischen wieder eingestellt. Aktuell plant Frankreich stattdessen den Bau von sechs neuen Atomreaktoren des Typs EPR2.

Die Investitionsentscheidung für dieses Projekt wurde zuletzt im Dezember 2025 erneut um drei Jahre verschoben. Ursprünglich war die Inbetriebnahme des ersten Reaktors für 2035 vorgesehen. Inzwischen gilt 2038 als frühestmöglicher Termin, realistischer erscheint jedoch 2045. Danach soll – im Abstand von etwa 18 Monaten – jeweils ein weiterer Reaktor folgen. Damit würden die sechs neuen AKW frühestens zwischen 2045 und 2055 in Betrieb gehen – sofern die Investitionsentscheidung überhaupt positiv ausfällt.

Derzeit existieren weder eine vollständige technische Planung noch eine gesicherte Finanzierung. Der französische Stromkonzern EDF fordert vom Staat eine Finanzierung von 50 %. Auffällig ist zudem, dass die genannten Kosten von 80 Milliarden Euro stets in Preisen von 2020 und ohne Nebenkosten angegeben werden – nicht etwa in Preisen von 2040 oder 2045. Auf diese Weise lassen sich die Zahlen künstlich niedrig halten. Realistisch betrachtet dürften die sechs AKW rund 200 Milliarden Euro kosten. Ob der französische Staat die Hälfte dieser Summe aufbringen kann, ist fraglich – er ist faktisch hoch verschuldet.

Von den derzeit 57 französischen Atomreaktoren sind 37 älter als 40 Jahre. Diese haben inzwischen eine Betriebsgenehmigung für 50 Jahre erhalten, die vermutlich noch weiter verlängert wird. Dennoch ist davon auszugehen, dass bis zur Inbetriebnahme des letzten neuen AKW rund 35 alte Reaktoren vom Netz gehen. Damit würde die französische AKW-Flotte auf 28 Reaktoren schrumpfen – also etwa auf die Hälfte. Die Rechnung ist einfach.

Um die Stromversorgung dennoch sicherzustellen, plant die französische Regierung in den nächsten 20 Jahren den Ausbau von 55 GW Windkraft, davon 45 GW Offshore, sowie mehr als 100 GW Photovoltaik. Diese Erzeugungskapazitäten entsprechen in etwa der Stromproduktion von 30 Atomkraftwerken. Die Schlagzeile könnte also auch lauten: Frankreich ersetzt 30 AKW durch Solar- und Windanlagen

So lassen sich die medialen Ankündigungen mit den tatsächlichen Zahlen vergleichen.

Ein Kommentar zu “Frankreichs AKW-Flotte halbiert sich

  1. Diese Informationen sollten über die Medien breit gestreut werden, die CSU vergaloppiert sich gerade…

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